Fachkräfte in der Internetbranche sind Mangelware in Berlin

Das ZIM-BB initiiert im Herbst 2013 eine Untersuchung zum Personalbedarf und den spezifischen Ansprüchen und Erwartungen der Unternehmen an Bewerber

Sowohl die Umfragen auf der diesjährigen Messe Internet World als auch eine aktuelle Erhebung des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen, GWA, bestätigen den Mangel an Fachkräften im Online-Business. Allerdings konnten die Gründe dafür bislang nicht hinreichend verifiziert werden. Das Zentrum für innovatives Marketing Berlin Brandenburg, ZIM-BB, plant deshalb eine umfangreiche Datenerhebung und tritt mit der Internetbranche explizit zu diesem Thema in den Dialog.

Die erste Umfrage im Rahmen der Internetworld-Messe im Januar 2013 zeichnete bereits ein klares Abbild: über 95 Prozent der 250 befragten Unternehmen gaben an, dass gute Aufstiegschancen in der Internetbranche bestehen – bei sehr geringer Fluktuation von Mitarbeitern, wobei über 90 Prozent der Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz als sicher erachten.

Es gibt einen enorm großen Bedarf an neuen Mitarbeitern: Nur knapp drei Prozent der Befragten gaben an, dass es 2013 in ihrem Unternehmen keine Neueinstellungen geben wird. Die meisten Unternehmen hingegen sind auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern, vor allem für die Bereiche IT/Technik (83 Prozent), Vertrieb (76 Prozent) und Kundenbetreuung/Service (52 Prozent).

Eine boomende Internetbranche, investitionsfreudige Unternehmen und neu zu besetzende Arbeitsplätze sind die Quintessenz.

Oliver Kienapfel, einer der Gründer und führenden Köpfe des ZIM-BB und Initiator der Erhebung: „Es ist unabdingbar notwendig, bei den Unternehmen der Internetbranche zu hinterfragen, woher dieser Mangel rührt, wie man aus deren Sicht diesen Mangel beheben kann und welche inhaltlichen Themen für Ungelernte didaktisch vermittelt werden müssen, um den Unternehmen real helfen zu können.“

Das ZIM-BB engagiert sich neben seinen Kernkompetenzen schon seit langem mit der Aus- und Weiterbildung von Quereinsteigern, die ihre Zukunft in der Onlinebranche sehen. Hierbei wird neben der Vermittlung erstklassigen Online-Know-hows viel Wert auf eine solide Grundlagenbildung gelegt.

Kompetenzteam-Leiter für Kommunikation und Szenarien am ZIM-BB, Thorsten Murr, bekräftigt dieses Konzept und gibt gleichzeitig Einblick in die Themen, die am ZIM-BB aktuell diskutiert werden: „Die klassischen Markt- und Kommunikationsprozesse sind die Grundlage. Wer diese Basics nicht kennt, läuft als Unternehmen Gefahr, im Internet einer monomedialen Kultur zu verfallen, die ab einer gewissen Dimension vornehmlich sich selbst dient. In Suchmaschinen gut gelistet und in Social Media gut geliked zu sein, reicht nicht aus, um Nachhaltigkeit zu erzeugen. Wo heute noch quantitative Effekte eine gewisse Faszination haben, wird es bald wieder um substanzielle Inhalte gehen, Informationen die dem Rezipienten etwas zu sagen haben – im Gegensatz zum massenhaft produzierten seelenlosen ,Content‘. Die Entwicklung der Medien-Technologie läuft zurzeit genau darauf hinaus, denn stark individualisierende Methoden wie Mobile-Marketing und Targeting erfordern schon jetzt wieder mehr kommunikatives Verständnis als in den vergangenen Jahren, als es nur noch um viele Links und starke Keywords ging.“

Inwieweit sich diese Prognosen bewahrheiten werden, bleibt abzuwarten. Die Branche jedoch scheint die Situation ähnlich einzuschätzen. „Ob nun im E-Commerce, in einer Online-Redaktion, in den Social Media oder in der aufkommenden Mobile-Branche: Fachkräfte, die in Marketingprozessen ganzheitlich denken und interdisziplinär handeln können, haben beste Chancen. Quereinsteiger hingegen, die eine zweimonatige Workshop-Serie oder eine dreimonatige Fortbildung vorweisen, sind wenig gefragt, weil das Spektrum meist zu eng bemessen und zu sehr auf eine konkrete Teilaufgabe fokussiert ist. Dieses erste Ergebnis zumindest steht nach den ersten Gesprächen mit der Branche bereits fest“, konstatiert Oliver Kienapfel und verweist auf eine aktuelle Studie des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen, GWA. Demnach ist die Lage in Deutschland, beim Bemühen, „digitale Talente zu finden“ besonders „brenzlig“.

Die Studie zeigt weiterhin, dass knapp 80 Prozent der deutschen Unternehmen die Rekrutierung von Nachwuchskräften als problematisch erachten. Vor allem werden strategische Planer und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich Digital gesucht.

Kienapfel ist sich aufgrund seiner Erfahrungen in der Fortbildung von Berufstätigen sicher: „Wer als Neuling in seinem Berufsleben eine falsche Entscheidung traf und sich nun mit 30 oder 40 Jahren am Ende seiner beruflichen Karriere sieht, hat oft genau den Erfahrungsschatz, den Unternehmen der Internetbranche suchen. Ob Büro- oder Einzelhandelskaufmann, Betriebswirt oder Rechtsanwalt, eine zusätzliche, solide und Grundlagen vermittelnde Ausbildung bietet diesen Quereinsteigern sehr reelle Chancen in der Internetbranche, um neu durchzustarten. Nur müssen hierfür auch die behördlichen Institutionen überzeugt werden, allen voran die Arbeitsämter und Jobcenter, die bisher auf kurze Fortbildungen setzen, die schlichtweg am Ende keinen Einstieg in ein festes Arbeitsverhältnis ermöglichen. Berlin und Brandenburg klagen über hohe Arbeitslosenquoten, dabei bietet der zweitstärkste Wirtschaftsfaktor, die „Internetbranche“ auch laut einer Studie der Investitionsbank Berlin genau die offenen Ressourcen, um Menschen wieder in Arbeit zu bringen und den Standort Berlin tatsächlich zum Silicon Valley Europas zu machen.“

Zum Ende des Jahres wird das ZIM-BB seine Umfrageergebnisse vorstellen, in der gut 50 Unternehmen der Branche gezielt nach deren Personal-Bedürfnissen befragt werden, inklusive welche Frage, welche Kenntnisse und Fähigkeiten erwünscht oder erforderlich sind und wie man nach Meinung der Branche die Vermittlung von fachspezifischen Inhalten nachhaltiger und effizienter gestalten kann.

An dieser Umfrage interessierte Unternehmen aus Berlin und Brandenburg wenden sich bitte an Herrn Oliver Kienapfel.


 

 

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